Chronik des Bergmanns- und Unterstützungsvereins „St. Barbara“ Köllerbach

Der Gedanke, sich genossenschaftlich zusammenzuschließen, um in Not­zeiten besser gerüstet zu sein, wurde auch im Köllertal recht früh in die Tat umgesetzt. Nach einem Bericht der Zeitschrift  „Der Bergmannsfreund“ vom 12. Juli 1892 und einigen wenigen schriftlichen Erwähnungen,

bestand ein „Bergmannsunterstützungsverein“ bereits seit dem Jahr 1854. Ein weiterer – oder Nachfolgeverein –  soll am 1. April 1897 unter dem Vor­sitz von Wilhelm Schikofsky unter dem Namen

„Katholischer Bergmannsverein Kölln“ gegründet worden sein.

Wann und warum diese Vereine ihre Tätigkeit einstellten, lässt sich man­gels Unterlagen heute nicht mehr ermitteln.

Die negativen sozialen Folgen des „Großen Streiks“ von 1923 veranlaßten am 5. Juli 1925 einige Bergleute, im Lokal Johann Himbert, Sellerbach, einen neuen Verein zu gründen.

Die knappe Tagesordnung mit den Punkten Vorlesung der Statuten, Auf­nahme der Mitglieder und Vorstandswahl zeigt, dass es vorher Gespräche über die Vereinsgründung gegeben haben muss und dass man sich vor allem über den wichtigsten Punkt, die Statuten, geeinigt hatte, denn diese wurden ohne Diskussion von den anwesenden Mitgliedern einstimmig an­genommen.

Die Vorstandswahlen brachten folgendes Ergebnis:

Erster Vorsitzender: Mathias Haag für 1 Jahr
Zweiter Vorsitzender: Peter Steimer für 2 Jahre
Schriftführer: Johann Schramm für 1 Jahr
Kassierer: Johann Wolmeringer für 2 Jahre

Zu Beisitzern wurden gewählt:
Josef Schikofsky für 1 Jahr
Jakob Detzler für 2 Jahre
Jakob Dörr für 1 Jahr
Mathias Himbert für 2 Jahre
Johann Heib für 1 Jahr
Felix Kern für 2 Jahre

 

Als Hauptaufgabe sah es der neu gegründete „Katholische Bergmannsver­ein St. Barbara“ an, seinen Mitgliedern mit Sterbegeldbeihilfen und sonsti­ger finanzieller Unterstützung in Notsituationen zu helfen.

Pro Sterbefall sollte eine Unterstützung von 500,00 F gewährt und pro Mit­glied und Monat ein Beitrag von 1,00 F erhoben werden.

Dass der neue Verein sich in der Tradition, nicht aber in der Nachfolge des „alten Vereines“ sah, machte die zweite Versammlung am 2.8.1925 klar. Nach heftigen Diskussionen einigte man sich darauf, alle früheren Bergleute aufzunehmen. Bedingung dabei war, dass diejenigen, die nicht Mitglied im „alten Verein“ waren, bis zu einem Alter von 60 Jahren mit 500 F versichert sein sollten, die über 60 Jahre nur mit 250 F.

Die damalige politische Situation wird bei der Frage der Aufnahme derjenigen Bergleute deutlich, die durch den „Großen Streik“ aus dem „alten Verein“ ausgeschlossen wurden. Die Versammlung beschloss einstimmig, diese aufzunehmen, wenn sie nicht Mitglied im „Saarbund“ sind. Der Zielsetzung des Vereins entsprechend, bei Sterbefällen finanzielle Hilfe zu leisten, wurde mit dem Schreinermeister Friedrich Müller aus Engelfangen ein Vertrag geschlossen, in dem sich Müller verpflichtete, für einen Preis von 180 F die Särge zu liefern „mit sämtlichem Zubehör und Einlegen der Verstorbenen“; die Leichenträger ab dem Sterbehaus stellte der Verein.

Nachdem nun die Grundstruktur des Vereins, der im Oktober 1925 schon 310 Mitglieder hatte, geschaffen war, ging es in der Folgezeit darum, das Vereinsleben auszugestalten. Man nahm an Prozessionen und Veranstal­tungen anderer Vereine teil, z. B. an der Fahnenweihe des Turnvereins. Dabei wurde schmerzlich eine eigene Fahne vermisst, die dann endlich am 22. August 1926 mit einem großen Fest geweiht werden konnte. Zunächst bewegte sich der Festzug vom Vereinslokal in Sellerbach zur Kirche. Nach der Festmesse begab man sich zur Festversammlung, die mit Gesang und Musik umrahmt wurde, in den Saal Raber und dann zurück ins Vereinslokal.
Als katholischer Verein beteiligte man sich rege am kirchlichen Leben.

Am 4. Dezember 1926 wurde zum ersten Mal der Barbaratag in Verbindung mit einer Generalkommunion festlich begangen, ab 1927 ließ man vier Messen jährlich für die Lebenden und Verstorbenen des Vereines lesen und beteiligte sich ab 1928 mit Fahnenabordnungen oder als Träger des „Himmels“ an der Fronleichnamsprozession und dem Herz Jesu Fest. An Maria Himmelfahrt wurde ab 1927 das Bergmannsfest durchgeführt, das morgens mit Kirchgang und Messe begann und nachmittags im Vereinshaus mit Musik und Tanz weitergeführt wurde. 1932 musste es wegen der wirtschaftlichen Notlage abgesagt werden und wurde durch das Familienfest ab 1933 ersetzt.

Die Mitgliederzahlen und damit auch die finanzielle Basis des Vereins entwickelten sich positiv. Bei einer Mitgliederzahl von 413 im Jahre 1927 war die Kassenlage so gut, dass dem Kassierer eine Entschädigung für seine Tätigkeit gewährt werden konnte. Trotzdem bemühte man sich, weitere Geldquellen zu erschließen. So wurde z. B. noch im gleichen Jahr beschlossen, die Schärpen für die Ehrendamen für 1F pro Stück an andere Vereine zu verleihen.

Das Jahr 1929 brachte dann eine Neuordnung der Gebührenordnung für die Aufnahme von Neumitgliedern. Gestaffelt nach Altersgruppen reichte sie von 2 F für 18jährige bis zu 50 F für 50jährige. Das machte es möglich, das Sterbegeld 1929 auf 1000 F zu erhöhen. Für eine weitere Stärkung der finanziellen Basis sorgte 1930 der Beschluss der Generalversammlung, auch Hüttenarbeiter aufzunehmen, ohne aber den Namen des Vereins zu ändern. Außerdem beschloss die Versammlung, das Geld bei der Sparkasse Kölln bei täglicher Kündigung festzulegen.

Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage machte sich auch im Verein bemerkbar. Wurde in der Generalversammlung 1931 noch der Antrag, die Beiträge, 1 F pro Mitglied, für Arbeitslose zu kürzen oder zu stunden, abgelehnt, sah sich die Vereinsführung 1932 gezwungen, die Beiträge für das letzte Quartal 1932 und das erste Quartal 1933 zu stunden; Anträge verschiedener Mitglieder auf finanzielle Unterstützung mussten mit dem Hin­weis abgelehnt werden, dass es sich bei dem Verein nur um einen „Sterbeunterstützungsverein“ handele. Die Stundung der Beiträge blieb auch 1934 bestehen, allerdings wurde weiterhin bei einem Sterbefall pro Mitglied ein Beitrag von 2 F erhoben. Trotz schmaler Kassen konnten die gewohnten Aktivitäten wie Vereinsfahrten oder Familienabende in dieser Zeit durchgeführt werden. Der Verein war sogar in der Lage, als Beihilfe zur Ausbesserung des Chores der Herz–Jesu–Kirche der Pfarrei eine Spende in Höhe des Beitrages von November/Dezember 1933 zu gewähren.

Die Generalversammlung vom 22.02.1935 beschäftigte sich hauptsächlich mit den Folgen der Volksabstimmung vom 13. Januar für den Verein. Der Beitrag für das erste Quartal wurde zunächst auf eine Mark, dann auf 0,50 RM festgesetzt, der Aufnahmebeitrag neu nach Altersgruppen geregelt und das Sterbegeld auf 160 RM festgesetzt. Die Sprachregelung der neuen Zeit bereitete dem Schriftführer Heib offenbar große Probleme. Neben den neuen Bezeichnungen Führer und Führerrat verwendete er in den Protokollen bis 1936 immer wieder die alten Bezeichnungen Vorsitzender und Vorstand. Aber nicht nur die neue Sprachregelung bereitete Unsicherheit und Probleme. Aus Sorge um die Zukunft des Vereines beschloss der Vorstand in einer nicht datierten Versammlung (wahrscheinlich Herbst 1935) eine Anfrage an den Reichskommissar Josef Bürgel zu richten, ob der Verein überhaupt weiter bestehen bleiben könne. Bis zur Generalversammlung am 17.05.1936 ging das Vereinsleben aber zunächst seinen gewohnten Gang. In der sehr gut besuchten Versammlung beschloss man neben einer Satzungsänderung auch die Aufnahme von Hütten- und Bahnarbeitern. Kaplan Jung, der der Versammlung beiwohnte und einen „trefflichen Vortrag“ hielt, wünschte dem Verein auch für die Zukunft eine erfolgreiche Arbeit. Die Hoffnung von Kaplan Jung erfüllte sich nicht. Hier brechen die Protokolle ab. Mit der Gleichschaltung der Vereine hörte auch der Katholische Bergmannsverein St. Barbara auf zu existieren.

Garant für die bisherige erfolgreiche Tätigkeit war die Kontinuität in der Vorstandsbesetzung. Die in der Gründungsversammlung 1925 gewählten Mathias Haag, Vorsitzender, Peter Steimer, 2. Vorsitzender, Johann Wolmeringer, Kassierer und Johann Schramm als Schriftführer wurden bis auf Johann Schramm, der 1928 durch Nikolaus Heib abgelöst wurde, bei allen Vorstandswahlen bis 1936 in ihren Ämtern bestätigt. Über das weitere Schicksal des Vereines liegen nur spärliche Nachrichten vor. Der Kassierer Johann Wolmeringer rief für den 15.Februar 1948 eine Generalversammlung ein, da die beiden Vorsitzenden verstorben waren und dringend ein neuer Vorstand gewählt werden musste. Johann Wolmeringer gab in der Versammlung einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins „in den letzten Jahren“ und für seine Tätigkeit „während des Krieges“ wurde ihm – bezeichnend für die Zeit – ein Paar Schuhe (!) zugesprochen.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Peter Kirsch und zum zweiten Vorsitzenden Felix Kern gewählt. Das Amt des Kassierers übernahm der bewährte Johann Wolmeringer und Nickel Schlang wurde zum Schriftführer gewählt. Bei der Beitragsgestaltung und der Organisation des Vereinslebens knüpfte man bewusst an die Tradition des 1936 aufgelösten Vereines an. Als monatlichen Beitrag setzte die Versammlung 10 Frs. fest, die Aufnahme bis 25 Jahre war frei, von 25 – 30 Jahre betrug die Aufnahmegebühr 10 Frs., von 30 – 40 Jahre 20 Frs.; bei einem Sterbefall sollte freiwillig eine Spende bis zu 5.000 Frs. gezahlt werden.

Traditionell wurde das Fest Maria Himmelfahrt wieder morgens mit Kirchgang und feierlicher Messe und abends mit einem gemütlichem Beisammensein mit Tanz gefeiert. Ebenfalls wie früher wurden wieder drei Messen für die Lebenden und Toten des Vereines gehalten, eine davon an Maria Himmelfahrt, und an Fronleichnam trugen wieder zwei Vereinsmitglieder den „Himmel“.
Parallel zur wirtschaftlichen Erholung stiegen die Höhe des Sterbegeldes und der monatlichen Beiträge stufenweise an. 1950 lag der Beitrag bei 25 Frs./Monat und das Sterbegeld betrug 12.000 Frs.; 1951 stieg es auf 15.000 Frs., die auch für vermisste Soldaten bei Todeserklärung gezahlt wurden und auf 30.000 Frs. im Jahr 1952, bei einem monatlichen Beitrag von 50 Frs.

Das Jahr 1950 stand ganz im Zeichen des 25jährigen Stiftungsfestes. Am Vorabend des 15. (der Monat ist leider nicht genannt) wurde es mit einem Kommers eröffnet, am Tag darauf nachmittags mit einem Festzug, den die Bergkapelle musikalisch gestaltete, und einer feierlichen Messe weitergeführt und klang mit Musik und Tanz in den Sälen Altmeyer und Himbert aus.

1951 beschloss die Generalversammlung eine Namensänderung in „St. Barbara Verein Köllerbach“, 1952 wurde wieder ein Bergmannsfest mit Kirchgang, Generalkommunion und abendlicher Tanzmusik durchgeführt, und man beteiligte sich 1954 an dem Stiftungsfest in Saarwelligen.
Zu diesem Zweck wurden bei der Firma Fiedler in Saarbrücken 12 Schachthüte bestellt.

Die Generalversammlung vom 31. Januar 1957 wählte Wilhelm Bär zum 1. Vorsitzenden; Peter Kirsch, seit 1947 Vorsitzender, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mitglieder, die nach der politischen Rückgliederung vom 1.1.1957 ihren Wehrdienst in der Bundeswehr ableisten mussten, wurde ihr Beitrag für 12 Monate gestundet und die gesamte Gebührenordnung für die Aufnahmegebühren überarbeitet: Bis 20 Jahre frei, 21 – 25 Jahre 500 Frs. ,26 – 30 Jahre 1.000 Frs., 31 – 35 Jahre 2.000 Frs. und 36 – 40 Jahre 5.000 Frs.

Ein Jahr später, 1958, wurde das Sterbegeld auf 35.000 Frs. erhöht; der Verein hatte nun 704 Mitglieder, führte neben dem Familienabend im Februar eine Vereinsfahrt nach Bexbach durch und beteiligte sich mit Fahnenabordnungen an der Fahnenweihe des Bergmannsvereins Sprengen und dem 100jährigen Bestehen des Bergmannsvereins Reisbach.

Wegen der wirtschaftlichen Rückgliederung des Saarlandes beschäftigt sich die Generalversammlung vom 7.Februar 1959 mit der Umstellung der Beiträge in DM. Der Mitgliedsbeitrag betrug nun 0,50 DM, das Sterbegeld 350,00 DM und die Aufnahmegebühren wurden ebenfalls im Verhältnis 1:100 umgestellt. Trotzdem bereitete die Umstellung dem Kassierer erhebliche Schwierigkeiten. Den Rechenschaftsbericht in der Generalversammlung 1960 legte er für das 1. Halbjahr 1959 in FRs. ab, für das 2. Halbjahr dagegen in DM. Die Versammlung beschloss außerdem, den Verein für alle Berufssparten zu öffnen, den Namen aber beizubehalten. Zugezogene Personen konnten gegen eine entsprechende Aufnahmegebühr bis zum 40. Lebensalter aufgenommen werden. Finanziell ging es dem Verein offenbar gut, denn es wurde beschlossen, für Goldene Hochzeiten und Jubiläen der Vereinsmitglieder, Geschenke zu machen.

Die Generalversammlung vom 22.1.1961 trennte erstmalig die Kasse für die Sterbegeldversicherung von der allgemeinen Vereinskasse, für deren Auffüllung für die Monate Januar bis Juni ein Sonderbeitrag von 0,10 DM erhoben wurde. 50 DM erhielten die Gemeindeschwestern (Karmeliterinnen) für die Aufbewahrung der Kleider, Schachthüte und seit 1962 auch der Fahne, die nicht mehr in der Kirche verblieb, da es dort keine Möglichkeit gab, sie zu trocknen.

Trotz der Katastrophe von Luisenthal 1962 und dem sich abzeichnenden Niederganges des Bergbaues im Köllertal mit der Schließung der Grube Viktoria 1963, erlebte der Bergmannsverein weiterhin eine positive Entwicklung. In den Jahren 1963 bis 1965 wurde der Beitrag für die Sterbekasse von 0,70 DM über 0,75 DM (plus 0,05 DM für die Vereinskasse) auf 0,90 DM (plus 0,10 DM für die Vereinskasse ) 1965 angehoben; das Sterbegeld erhöhte sich von 400,00 DM 1963 auf 500,00 DM ab dem 1.1. 1965. An geselligen Veranstalten führte der Verein in dieser Zeit neben den Vereinsfesten wie Familienabend und Barbaratag auch Vereinsfahrten durch, z. B. nach Losheim 1962, ein Jahr später nach Oberkirchen und 1964 nach Alsweiler. Daneben beteiligte man sich mit Fahnenabordnungen am Herz-Jesu-Fest und an Fronleichnam, sowie an Stiftungsfesten, Fahnenweihen und Jubiläen verschiedener Vereine in Köllerbach und darüber hinaus.

In der Mitgliederversammlung am 21.7.1968 fielen wichtige Entscheidungen. Nachdem man in der Versammlung Paragraph nach Paragraph der neuen Satzung durchgesprochen hatte, wurde diese einstimmig angenommen. Der Verein nennt sich von nun an „Bergmanns – und Unterstützungsverein“ und – eine weitere wichtige Änderung: Für Kinder von 2-16 Jahren wurde bei einem Beitrag von 0,50 DM im Todesfall das volle Sterbegeld gezahlt. Außerdem beschloss die Versammlung, die Barbarafeier erstmals mit der IG Bergbau und Energie durchzuführen, die dafür die Hälfte der Kosten für die Musik übernahm. In der Form, Kirchgang mit Musik, Messe und anschließender Feier in einem Lokal, wird – bei wechselnder Beteiligung von Vereinen – bis heute jährlich der Barbaratag begangen.

Das Vereinsleben in den nächsten Jahren ging seinen gewohnten traditionellen Gang. Man feierte seine Feste, unternahm Vereinsfahrten an Ahr, Mosel und Nahe und beteiligte sich mit Fahnenabordnungen an Jubiläen oder Festen anderer Vereine, wie z.B. 1972 am 120jährigen Bestehen des Bergmannsvereines Püttlingen.

In der Generalversammlung am 11.3.1973 stellte Wilhelm Bär, der den Verein 26(!) Jahre führte, sein Amt zur Verfügung. Mit ihm ging eine erfolgreiche Ära des Aufbaues und der Konsolidierung des Vereines zu Ende. Sein Nachfolger wurde der langjährige 2. Vorsitzende Norbert Folz; Wilhelm Bär selbst wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die Versammlung beschloss außerdem einstimmig, den Vorschlag des Berg – und Hüttenarbeitervereines Püttlingen anzunehmen, der vorsah, dass sich die Püttlinger an der Feier des Barbaratages in Köllerbach beteiligen und dafür die Köllerbacher mit einer Fahnenabordnung am Fest Kreuz Erhöhung in Püttlin­gen teilnehmen.

Trotz der sich zuspitzenden Krise im Bergbau ließ es sich der Verein nicht nehmen, sein 50jähriges Jubiläum entsprechend zu feiern. Am Barbaratag 1976 bewegte sich der Festzug durch die Sprenger Straße zur Herz–Jesu–Kirche, wo ein feierliches Hochamt zelebriert wurde, musikalisch gestaltet vom Musikverein Harmonie. Anschließend fand im Saal Zewe die Festversammlung unter Beteiligung der IGBE und des Berg – und Hüttenarbeitervereins Püttlingen statt. Unter den Gratulanten waren Bürgermeister Müller, Pastor Penth, Ortsvorsteher Bauer, Ehrenvorsitzender W. Bär und der Vorsitzende des Bergmannsvereines von Hattingen-Blankenstein (Ruhr), Heinrich Klotzbach.

Die Generalversammlung vom Dezember 1976 brachte wichtige Änderungen für die Sterbekasse. Da die Beiträge seit 1963 konstant geblieben waren, wurden sie auf Vorschlag des Vorstandes bei Erwachsenen auf 1,40 DM (Kinder bis 16 Jahre 0,75 DM) und das Sterbegeld von 500 DM auf 750 DM erhöht. Auf Anweisung der Aufsichtsbehörde mussten der § 3 und der § 7 der Satzung geändert werden. Sie beinhalteten einmal die Regelung der Rückvergütung für Mitglieder, die aus dem Verein ausscheiden und präzise Vorgaben über die Vermögensverwaltung der Bestände und der Neuanlagen. Das bedeutete eine stärkere Einflussnahme der staatlichen Stellen auf die Sterbekasse, was auch durch den jährlich zu erstattenden Bericht an das Wirtschaftsministerium zum Ausdruck kam.
Die Änderung trat am 1.1.1977 in Kraft. Die zunehmende Sorge um die Erhaltung der Arbeitsplätze im Bergbau bestimmten in den nächsten Jahren mehr und mehr die Stimmung im Vereinsleben und beherrschten die Themen der Festreden bei den Feiern zum Barbaratag. Trotzdem ließ man es sich nicht nehmen, das 60jährige Jubiläum gebührend zu feiern.

Am 24. August 1985 trafen sich die Abordnungen vieler saarländischer Bergmannsvereine in der Herz–Jesu–Kirche zur Messfeier, die vom Musikverein Harmonie Köllerbach musikalisch umrahmt wurde. Anschließend bewegte sich der Festzug der Knappen in Uniform mit ihren traditionellen Fahnen unter den Klängen des Musikvereins Harmonie Köllerbach, dem Fanfarenzug Rot–Weiß Püttlingen und dem Tambourverein Blau–Weiß Köllerbach zum Kommers in die Kyllberghalle. Im Beisein der Ehrengäste Gerd Meyer MdL, Dipl- Ing. Jurecka vom Bergwerk Ensdorf, Pastor Norbert Kohns und IGBE – Vorsitzenden Zimmer, Köllerbach, forderten der Schirmherr Dr. Wicklmayr sowie Bürgermeister Müller in ihren Reden, die Arbeitsplätze im Bergbau zu erhalten und für eine sichere Zukunft einzutreten. Das Rahmenprogramm gestaltete die Trachtenkapelle „Die lustigen Oberländler“, der kath. Kirchenchor Cäcilia Köllerbach sowie der Gemischte Chor Köllerbach.
Trotz der eindrucksvollen Jubiläumsveranstaltung war es nicht zu übersehen, dass durch den Strukturwandel im Bergbau das Weiterbestehen des Bergmannsvereines langfristig gefährdet war. Durch den stetigen Rück­gang an aktiven Bergleuten war abzusehen, dass diese nicht mehr als Reservoir für Neumitglieder in Frage kämen. Man musste also versuchen, den Nachwuchs aus anderen Berufs- und Bevölkerungsgruppen zu rekrutieren.

Der Vorstand startete aus diesen Überlegungen 1986 die erste große Werbeaktion, bei der die wirtschaftlichen Vorteile einer Sterbegeldversicherung im Rahmen des Bergmannsvereines im Vordergrund standen. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Bis 1992 stieg die Mitgliederzahl von 936 im Jahre 1986 auf 1084 an. Besonders erfreulich war es, dass sich unter den Neumitgliedern viele Jugendliche befanden. Das machte es möglich, ohne Beitragserhöhung 1988 das Sterbegeld um 100 DM auf 1100 DM und 1992 auf 1300 DM zu erhöhen und in Absprache mit dem Ministerium eine Verlustrücklage zu bilden. Da diese positive Entwicklung zum großen Teil der über 26jährigen, engagierten und verantwortungsbewussten Tätigkeit von Hermann Bär als Hauptkassierer zu danken war, wurde dieser in der Generalversammlung 1994 zum Ehrenmitglied ernannt. Weitere Werbeaktionen wie z. B. 1997 oder 2001 zeigten ähnlich gute Ergebnisse, vor allem seit 2003 die gesetzlichen Krankenkassen das Sterbegeld kürzten oder ganz strichen.

Parallel zur Entwicklung der Sterbekasse zu einer Sterbegeldversicherung verlagerte sich der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten seit Mitte der 80iger Jahre auf die Traditionspflege mit dem Ziel, wenigsten die Erinnerung an den Bergbau in Püttlingen, der fast 150 Jahre unsere Stadt geprägt hat, wach zuhalten. So wurden 1990 neue Uniformen für die Trachtenträger angeschafft, die aus dem Gründungsjahr 1925 stammende Vereinsfahne 1996 für 3.500 DM vollkommen restauriert und man nahm verstärkt an bergmännischen Veranstaltungen im Saarland, in der Bundesrepublik und im europäischen Ausland teil, so z. B. am Bekenntnistag der Berg- und Hüttenarbeitervereine in Ensdorf, am Europäischen Knappentag in Balatonfüred in Ungarn und am 2. Thüringer Bergmannstag in Sondershausen.

Als zentraler Veranstaltung kam der Feier des Barbaratages eine immer größere Bedeutung zu. Das zeigte sich besonders 2003, als zum ersten Mal eine Abordnung des neu gegründeten „Traditionsvereines Braunkohle Senftenberg“ aus der gleichnamigen Partnerstadt der Stadt Püttlingen teilnahm und die Barbarafeier zu einer eindrucksvollen Solidaritätsveranstaltung mit den Arbeitnehmer der von der Schließung bedrohten SKF Köllerbach wurde.

Nach 28jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender kandidierte Norbert Folz in der Generalversammlung 2001 nicht mehr. Sein Nachfolger wurde Manfred Martin, Folz selbst wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Für langjährige Vorstandsarbeit wurden Ewald Feld, der 40 Jahre als Haus-Kassierer tätig war und Gerhard Linn, der 26 Jahre das Amt des 2. Kassierers inne hatte, mit kleinen Präsenten geehrt.

Unter der Führung von Manfred Martin widmete sich der Vorstand verstärkt der Erhaltung und der Pflege der Relikte des Bergbaues in Püttlingen. Das schon in der Barbarafeier von 1986 vom damaligen Bürgermeister Müller angeregte Projekt, das Stollenmundloch des Viktoriastollen in Engelfangen bzw. den Viktoriastollen selbst zu einem Bergbaumuseum oder einem Industriedenkmal umzugestalten, wurde nun mit Nachdruck in Angriff genommen. Im Zuge der Schaffung des Neubaugebietes „Oberwies 5“ konnte das nähere Umfeld des Stollenmundloches in Engelfangen neu gestaltet und der übertägige Bereich des Stollens neu abgedichtet werden. Mit Hilfe der DSK und der Stadt Püttlingen wurden verschiedene bergmännische Großgeräte erworben und 2004 vor dem Mundloch deponiert. Für die endgültige Gestaltung des Ensembles Stollenmundloch, Tagesanlage Engelfangen und dem ehemaligen Maschinenhaus arbeitet das Bauamt der Stadt Püttlingen zur Zeit Pläne aus.